Karl

„Blaue Wolken hüllen das Korn in ein purpurfarbenes Gewand!“ lallt der Obdachlose, die Flasche Wein noch in der Hand. Sein Kumpel sieht zu ihm hinauf und verdreht die Augen. Immer wenn Karl seinen Moralischen hat, wird er poetisch. 

„Welches Korn meinst Du denn?“ grölt Dieter los. Allgemeines Gelächter setzt ein. Karl interessiert das herzlich wenig. Er setzt erneut an: „Die strahlende Sonne ummantelt meinen geschundenen Körper!“ 

Die Männer auf der Bank schlagen sich auf die Schenkel. Eine Flasche Fusel macht die Runde. Karl hält seine Weinflasche wie eine Trophäe. Noch bevor er seinen nächsten geistigen Erguss in den frühen Abend schmettern kann, krampft sein Herz plötzlich zusammen. Die Flasche fällt zu Boden, Karls Gesichtsausdruck ist erstaunt. So sackt er zusammen und bleibt regungslos liegen. Seine Kumpel stehen erschrocken um ihn. Karls Körper und Geist kommen endlich zur Ruhe. 

 

 

Text aus der Schreibwerkstatt vom 24.05.2005

Aufgabe war folgende:

Wir sollten einen Satz zum Thema "Wetter" auf einen Zettel schreiben. Diesen zugefalteten Zettel auf einen Tisch legen und einen anderen mitnehmen. Aus dem Satz, der auf dem neuen Zettel stand, sollten wir einen Text schreiben.

 

Ich danke Andreas für seinen Satz:

Blaue Wolken hüllen das Korn in ein purpurfarbenes Gewand

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