
Antwort auf Sarah Kirschs Bild
Ich gebe Sarah
Kirsch recht, teile ihre Auffassung. Fenster und ihre Bedeutung, ihr Nutzen...
Gehe ich in Gedanken durch
unser Haus, fällt mir spontan ein, dass sie mal wieder geputzt werden müssten.
Typisch Hausfrau! Wer könnte das denn mal wieder machen? Ist es ein
Naturgesetz, dass die Hausfrau dafür zuständig ist? Ich bezweifele das einfach
mal stark. In diesem Haus sind angegraute Fenster normal, klare Scheiben sind mir zu perfekt.
Obwohl es mich dann doch freut, wenn sporadisch so ein Zustand erreicht wird.
Die Terrassentür:
Sammelpunkt kindlicher Patschehände und Abdrücke einer feuchten Katernase. Von
hier aus hat man den besten Blick in den Garten... ‚Kindergarten’ sagte mein
Sohn lange Zeit dazu. Unser Garten gehört den Kindern. Wir vernachlässigen ihn
genauso wie die Fenster. So sind wir eben. Unser Kater sitzt gerne vor der
Terrassentür, beobachtet sein gedanklich nächstes Opfer mit klappernden Zähnen
und zuckendem Schwanz.
Die Wohnzimmerfenster:
mein privater Hochsitz, für andere unsichtbar. Hier habe ich die gesamte Straße
im Blick. Tägliches Treiben kann ich ungestört beobachten. Mein geschultes
Auge sieht alles. Was gibt es bei den Nachbarn zum Mittagessen? Wann kommt Herr
Nachbar oder seine Frau von der Arbeit? Wann mäht man kollektiv seinen Rasen?
Wo markiert die Promenadenmischung sein Revier?
Das Badezimmerfenster:
hier lässt sich auch von außen ablesen, wann der Höhepunkt eines langen Tages
zelebriert wird. Die Scheiben beschlagen, ich werde wieder zum Menschen.
Die Kinderzimmerfenster:
verunstaltet von meinen stümperhaften Versuchen, Comic-Helden mit Window-Color
auf die Scheiben zu bannen.
Das Schlafzimmerfenster:
romantisch gelegen, fast unter dem Dach, dem Himmel am nächsten; weit weg vom
Alltag. Dort kann ich weit in die Stadt blicken. Nachts sehe ich die
erleuchteten Fenster der anderen, vermute dort Geschichten.
Sarah Kirsch hat recht.
Kein Fenster ist nutzlos. Jedes Mal ein neuer Blick auf die Welt, von innen nach
außen.

Text aus der Schreibwerkstatt vom 07.06.2005
Aufgabe war folgende:
Mir lag eine Postkarte mit einen von Sarah Kirsch gemalten Bild vor. Das Bild trägt den Namen "Kein Fenster ist nutzlos". Zu dem Bild und dem Titel sollten wir in einer knappen halben Stunde eine Antwort schreiben.