
Sandra wacht auf. Es ist
früh, viel zu früh eigentlich. Sie könnte sich noch einmal im Bett herumwälzen
und wieder einnicken. Doch spontan schlägt ihr Herz schneller. Sie hat ja einen
Plan. Noch etwas steif von der Nacht macht sie sich auf den Weg zur Dusche. Weiß
dieser Mann eigentlich, was es sie für Überwindung kostet um diese Uhrzeit
aufzustehen? ‚Hoffentlich lohnt sich die Mühe!’ denkt sie, als sie das
warme Wasser auf ihrem Körper spürt. ‚Wäre er jetzt hier, wäre ich sofort
hellwach!’ Sie stahlt ihren Duschvorhang an, sonst ist ja nichts da.
Frisch frisiert, umgeben
von einem leichten Duft macht sie sich auf den Weg. Etwas nervös biegt sie in
die Straße ein, sucht einen Parkplatz. Jetzt muss sie nur noch warten, bis er
kommt. Jeden Morgen radelt er hier her zum Einkaufen. Zuerst bringt er immer
seine Tochter in den Kindergarten, das hat sie bereits heraus gefunden.
‚Das ich mal auf einem
Parkplatz einen Hausmann auflauern würde...!’ Sandra grinst. Und in diesem
Moment sieht sie ihn auch schon kommen. Groß ist er, dunkelhaarig. Immer trägt
er diese verwaschene Schwarze Jacke, immer diesen ulkigen Hut. Aber ihm steht
das, keine Frage. Lässig schwingt er seinen Lederrucksack auf den Rücken und
verschwindet im Laden. ‚Jetzt oder nie!’ macht sie sich Mut. Sie schnappt
sich einen Einkaufswagen und begibt sich auf die „Jagd“. Heute werden Hausmänner
erlegt! Wir befinden uns ja schließlich in der Neuzeit, da dürfen schon mal
die Rollen getauscht werden.
Endlich erblickt sie ihr
Opfer. Er sieht ja irre sexy aus, wie er das Etikett auf der Ravioli-Dose
durchliest. Sandra begibt sich in Deckung, das Opfer soll ja überrascht und mit
einem Biss erlegt werden. Vorsichtig lugt sie um die Ecke des Regals, sie sieht
ihn heran nahen.... und genau in dem Augenblick, als er ihre Höhe erreicht,
gibt sie ihrem Einkaufswagen eine mächtigen Schubs und schmeißt sich ihm vor
die Füße. Gerald, so heißt das Opfer, lenkt seinen Wagen mit enormer Präzision
um sie herum. Er fährt ja schon länger jeden Tag den Einkaufswagen! Sandra ist
wohl nicht die erste Jägerin, der er auszuweichen versucht. Damit hatte sie
nicht gerechnet. Völlig verdattert liegt sie vor dem Maggi-Regal und hofft auf
ihren Retter. Und hier holt sie die Realität wieder ein. Neuzeit!! Selbst ist
die Frau. „Alles klar?“ fragt seine sonore Stimme. Sie nickt und berappelt
sich wieder. Kaum steht sie, kann sie auch nur noch seinem Rücken nachblicken.
‚So schöne breite Schultern!’ schmachtet sie ihm nach.
Jetzt weiß sie, wie sich
ein Löwe fühlen muss, wenn die Gazelle unbekümmert von dannen hüpft. Völlig
gefrustet steuert sie das Weinregal an und schnappt sich eine Flasche Prosecco.
Niedergeschlagen lässt sie die Prozedur an der Kasse über sich ergehen.
‚Scheiß Hausmänner!’ grummelt es in ihr. Missmutig stapft sie zu ihrem
Auto. „Nicht schlecht der Auftritt vorhin!“ hört sie plötzlich eine Stimme
direkt hinter sich. Sie erschickt fürchterlich und dreht sich langsam um. Da
steht er, Hausmann Gerald, und lächelt sie verschmitzt an. „Nicht wahr? War
gut. Finde ich auch!“ lacht sie. „War es so offensichtlich?“ „Doch, könnte
man so sagen. Du schleichst ja schon längere Zeit hinter mir her.“ Sandra errötet.
Sollte sie es tatsächlich so stümperhaft angefangen haben?
Gerald kommt etwas näher,
schaut ihr tief in die Augen. „Was willst Du?“ fragt er sie direkt. Sandra
schluckt. Kann sie es einfach so sagen? Sollte sie nicht lieber etwas um den heißen
Brei herum reden? „Äh...“ stottert sie. „Wenn ich nun ein Waffelrezept bräuchte?“
zwinkert sie ihn an. Gerald lacht. „Ein Waffelrezept! So, so...“ Sandra
blickt ein seine dunklen Augen. Er blickt tief zurück. Sein Kopf nähert sich
langsam ihrem Ohr, Sandra neigt leicht ihren Kopf und streckt sich ihm entgegen.
„Ich hasse Waffeln.“ Säuselt es in ihrem Ohr. Verdutzt blickt sie ihn
wieder an. „Ich hätte ein grandioses Rezept für
Bockenheimer
Hammelragout!“ strahlt er sie
an. Sandra nickt langsam und guckt etwas irritiert. Was hat sie nur geritten,
als sie sich ausgerechnet in diesen Hausmann verguckt hat? „Bockenheimer
Hammelragout?“ wiederholt sie lahm. Geralds Augen blitzen vor Vergnügen.
Endlich eine Frau, die sich für gute Kochrezepte interessiert und nicht nur für
seinen Körper! „Pass auf, hier auf dem Parkplatz ist das jetzt schlecht. Gib
mir mal Deine Handynummer, ich ruf Dich später an.“ Gerald ist ein seinem
Element.
Sandra
kramt umständlich ihr Handy aus der Handtasche. Ihr ist jetzt nicht ganz klar,
was gerade passiert. Sie wollte einen Hausmann aufreißen und keine Rezepte
tauschen. Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen, aber Liebe wäre wohl ein
zu starkes Wort, was sie für Gerald empfindet. ‚Abenteuer erleben nur die
Abenteurer!’ schießt es ihr durch den Kopf. Genau, ein Abenteuer wollte sie
haben. Sandra guckt ihn an und nennt ihm ihre Nummer. Gerald tippt die Nummer
schnell in sein Handy und lächelt sie an. „Dann bis gleich!“ sagt’s und
macht sich aus dem Staub.
Mit
dem Prosecco in der Tasche betritt Sandra wieder ihre Wohnung. Jetzt ist ihr
alles egal. Sie öffnet die Flasche und gießt sich ein Glas voll. Hastig kippt
sie sich das lauwarme Gesöff den Hals hinunter. Während sie nachschenkt,
greift sie nach dem Telefon. „Jenny, das glaubst Du jetzt nicht, was mir heute
Morgen passiert ist!“ sprudelt sie los. „Oh, ich hab Dich geweckt,
entschuldige, aber....“ brabbelt sie weiter. Ihren ganzen Frust schmettert sie
der Freundin ans Ohr. Noch während sie wild gestikulierend den Morgen
schildert, ertönt der neueste Klingelton aus Sandras Handy. „Mein Gott, das
ist er bestimmt! Tschüß!“ und drückt die Freundin aus der Leitung.
„Hallo?“
fragt sie vorsichtig. Sie erkennt seine Stimme sofort. Ein herrliches Kribbeln läuft
ihren Rücken rauf und runter. Sie hört gar nicht genau hin, was Gerald zu
sagen hat, seine Stimme wirkt hypnotisch auf sie. “Ja.... ja.... ja... hm...
ja... doch. Ich hab alles notiert!“ lügt sie. „Ein kleines Problem hätte
ich noch. Ich hab überhaupt keinen passenden Topf!“ Sie gibt nicht auf. Sie
wollte einen Hausmann erlegen und keinen Hammel. Obwohl sich der Eindruck
langsam einstellt, sie telefoniere gerade mit einem. Gerald hat Zeit und bietet
an, gleich mit dem passenden Topf vorbei zu kommen. Die paar Zutaten würde er
unterwegs schon finden. Mit diesen Worten scheint für ihn die Sache geklärt zu
sein.
Sandra
bleibt die Spucke weg. Kann es sein, dass gleich der Hausmann samt Topf und
Zutaten bei ihr auf der Matte steht? Sie fühlt sich überrumpelt und fasst den
Endschluss, nie wieder ein Auge auf einen Hausmann zu werfen!
Keine
20 Minuten später klingelt es an ihrer Tür. Wie ein guter Freund küsst er sie
flüchtig auf die Wange und betritt vor Elan strotzend die Küche.
Sandra
steht im Türrahmen und beobachtet Gerald. Flink wie ein Wiesel huscht er durch
die Küche, kramt hier und dort, schnippelt, brät, rührt um und kostet
sporadisch. Ein leichtes Glühen auf seinen Wangen macht sich breit. „Deck
schon mal den Tisch!“ ruft er über seine Schulter. Da sie Gerald nicht zu
bremsen vermag, holt sie Teller, Gläser und Besteck.
Sie
setzt sich an den gedeckten Tisch und wartet. Gerald erscheint im Wohnzimmer mit
nacktem Oberkörper, ein Geschirrhandtuch im Hosenbund dient als Schürze.
Sandra starrt ihn an. ‚Gott, sieht er zum Anbeißen aus!’ denkt sie. Aber
vor dem Vernaschen eines Hausmanns hat dieser das Hammelragout gesetzt. Tapfer
schiebt sie sich einen Bissen in den Mund. „Und?“ fragt er erwartungsfroh.
„Super...“ nuschelt sie mit vollem Mund. Gerald platzt vor Stolz! Ja,
diesmal war ihm das Ragout besonders gut gelungen! Nach dem Essen schiebt er den
Teller von sich, streichelt sich genüsslich über sein
Six-pack
und verkündet: „Die Küche gehört Dir!“ Mit anderen Worten, Sandra darf
die Küche in den Urzustand versetzen.
„Was
tu ich hier eigentlich?“ faselt sie laut vor sich hin, als sie die Teller in
die Spülmaschine räumt. Nachdem sie fertig ist, geht sie zurück ins
Wohnzimmer. Doch wo ist er hin?? Sollte er vielleicht.... ???? Sandra geht ins
Schlafzimmer. Tatsächlich! Da steht er immer noch mit nacktem Oberkörper. Sie
sieht sich ihrem Ziel näher kommen. Langsam geht sie auf ihn zu, Gerald streckt
die Arme aus. Endlich! Er fasst sie an den Schulter und dreht sie um. „Sag
mal, sortierst du deine Wäsche nicht?“ Sandra sieht auf den großen Haufen
Schmutzwäsche. „Pass auf, zusammen haben wir das ganz schnell erledigt!“
macht Gerald ihr Mut und fängt munter an, die Wäsche zu sortieren. „Holla!
Was haben wir denn hier?“ Er hält einen Hauch von nichts in der Hand. Sandra
wird rot. Schnell knöpft sie ihm das Dessous wieder ab. „Feinwäsche!“
murmelt sie. „Wo steht denn Deine Waschmaschine?“ will Gerald dann wissen.
„Im Keller.“ Lautet ihre knappe Antwort. ‚Obwohl.... soll er doch die Wäschewanne
runterschleppen, wenn er schon mal da ist.’ Überlegt sie.
Gerald
scheint Gedanken lesen zu können. Eifrig stopft er die Wäsche in die Wanne und
eilt auch schon in den Keller; Sandra hinterher. Ihr stellen sich schmutzige
Gedanken ein.... ‚Vielleicht steht er ja auf den Keller...’ Unten angekommen
nimmt sie ihm die Wäschewanne ab. „Komm!“ säuselt sie mit lasziven
Augenaufschlag. Er folgt ihr in den Waschkeller. Sandra stellt die Wanne vor
ihrer Maschine ab, öffnet das runde Bullauge und beugt ihren Oberkörper tief
runter. Ihren knackigen Hintern streckt sie ihm aufreizend entgegen. ‚Jetzt
muss er doch reagieren!’ hofft sie. Und das tut er auch. Er tritt ganz nah an
sie heran, fast berührt er sie. Sandras Herz schlägt wie wild. „Du musst
Dich bücken....“ „Jaaaaa?“ Sandras Stimme klingt rau. „Nicht so! Geh in
die Knie. Das ist so gar nicht gut für den Rücken!“ erklärt Gerald ihr.
Sandra klappt zusammen. Das ist einfach zu viel für sie. „Ade ihr schönen
Verführungspläne. Ade mein schöner Hausmann!’ mit diesen Gedanken erhebt
sie sich, baut sich vor Gerald auf und kreischt: „Raus! Raus mit Dir!“
Plötzlich
fängt Gerald schallend an zu lachen. Er jappst nach Luft, schlägt sich auf die
Schenkel. Merkwürdige Laute springen aus diesem Mann. „Na endlich!! Ich
dachte schon, ich muss Deinen kompletten Haushalt machen!“ grölt er. Er schüttet
sich aus vor lachen. Sandra ist so gar nicht danach. Ihr würde es schon
reichen, wenn sie die Situation verstehen würde.
Langsam
verebbt sein Lachen, es entwickelt sich ein warmes Lächeln. Gerald macht einen
Schritt auf Sandra zu, umfasst mit seiner rechten Hand ihren Nacken und zieht
sie an sich heran. Sandra sträubt sich leicht. Er schließt seine Augen und küsst
sie sanft auf den Mund. Schleichend lässt ihr Widerstand nach und sie
beantwortet seinen Kuss.
Gerald
nimmt Sandra auf seine starken Arme und trägt sie zurück in die Wohnung. „Du
hast meinen Test bestanden, Süße!“ Flüstert er. „Sag nie wieder Süße zu
mir!“ lacht Sandra ihn an. Gerald schließt die Haustür mit einem Fußstoß.
Was
jetzt passiert, kann sich jeder denken. Wer nicht, sollte dringend mal über
sein Liebesleben nachsinnen. Liebe geht ja – wie schon erwähnt – durch den
Magen. Vielleicht hilft ja ein kleines Bockenheimer Hammelragout?
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