Literarisches Scheitern

Was ist das überhaupt? Literarisches Scheitern? Wo fängt das eigene Scheitern an? 

Damals, als man noch klein war und einem Märchen vorgelesen wurden, die man doch so ganz anders wahr nahm als heute? 

Oder damals in der Schule, als sich der Wunsch anschlich, ein Buch zu schreiben? Als man sich Hefte kaufte und schon nach einer DIN A5 Seite den Plan wieder verwarf, nur um ihn ein paar Monate später wieder zu verspüren, diesen penetranten Wunsch? 

Später dann als man mit Pickeln im Gesicht sein Taschengeld für ein abschließbares Tagebuch ausgab und einem nach ein paar Wochen die Puste ausging; man es schließlich vergaß, nur um es nach einigen Wochen wieder zu versuchen? 

War das alles das Fundament des literarischen Scheiterns? 

Später dann endlich der gelungener Versuch eines Schwangerschaftstagebuchs. Die Milchpulverindustrie drängt es einem ja förmlich auf, diese besondere Zeit für die Nachwelt zu konservieren. Nur dass man bei den nachfolgenden Schwangerschaften schon bei dem Versuch scheitert, wieder ein solches Tagebuch zu verfassen. 

Jahrelanges Treiben in einer Familie waren der beste Schutz, sich dieses Schmerzes zu erwehren. Und dann kommt er wieder, dieser beharrliche Wunsch schreiben zu wollen, ja fast zu müssen. Man schleicht um sich und seine imaginären Geschichten herum. Und dann packt sie einen, diese Lust am Schreiben. Mutig nimmt man den Stift zur Hand, starrt auf das jungfräuliche Blatt und wartet auf ein Wunder. Passiert dieses Wunder, lässt es einen innen ganz warm werden. Bleibt das Wunder aus, sackt man in sich zusammen. 

Aber es gibt noch einen anderen Aspekt des literarischen Scheiterns. Wenn man vor Texten sitzt, deren Sinn sich einem nicht erschließen will. Wenn man sich umsieht und umgeben ist von wissenden, belesenden Menschen. Wenn man das Gefühl hat, dumm und ungebildet bislang durch die Welt gegangen zu sein. Wenn einem das Hirn anschwillt, bei dem Versuch es ihnen gleich zu tun. Wenn die eigenen Grenzen so nah werden, dass einem die Luft zum Atmen fehlt. Wenn sich der Mut verweigert, sich abzugrenzen und sein eigenes Ding zu tun. Dies ist kaum auszuhalten. 

Und dann plötzlich, völlig unerwartet packt einen diese Wut. Sie ist unaufhaltsam und kreativ. Sie fragt nicht nach Mut oder Können. Sie lässt einen sich hinsetzten und einfach nur drauf los zu schreiben. Egal, ob es jemanden gefällt, Hauptsache es ist aus dem Kopf.

 

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